Die Grüne Woche in Berlin ist laut, international und voll von Eindrücken.
Doch zwischen großen Hallen, politischen Diskussionen und kulinarischer Vielfalt gibt es sie noch: die stillen, kraftvollen Geschichten. Geschichten von Betrieben, die bewusst klein bleiben. Von Menschen, die Verantwortung über Effizienz stellen. Und von Käse, der nicht nur schmeckt, sondern Haltung transportiert.
In der aktuellen Folge von CheeseCommerce – Verkaufsstrategien für Thekenprofis hat Petra genau solche Gespräche geführt – Gespräche, die für uns an der Käsetheke besonders wertvoll sind.
Denn eines wird deutlich:
Guter Verkauf beginnt lange vor der Theke.
Demeter in der Praxis: Wenn Kreislaufwirtschaft ernst gemeint ist
Im Hunsrück traf Petra Meike Jaschok vom Bornwiesenhof. Ein Demeter-Betrieb mit 40 Milchkühen, eigener Käserei und über 40 verarbeiteten Milchprodukten.
Was diesen Betrieb besonders macht, ist nicht nur das Siegel – sondern die gelebte Philosophie dahinter:
Kühe mit Hörnern
Mehr Platz im Stall
Fütterung ausschließlich vom eigenen Land
Geschlossene Kreisläufe
Handwerkliche Verarbeitung der gesamten Milch auf dem Hof
Demeter bedeutet hier nicht Marketing, sondern Konsequenz. Die Kühe behalten ihre Hörner – was mehr Platz und eine andere Stallarchitektur erfordert. Die Fütterung stammt vom eigenen Land. Die Wertschöpfung bleibt auf dem Hof.
Für uns an der Theke ist das ein enorm starkes Argument.
Wenn ein Kunde fragt: „Warum ist dieser Käse teurer?“, dann ist die Antwort nicht nur „Demeter“.
Die Antwort ist: Weil hier mehr Verantwortung übernommen wird.
Handwerk als Geschmacksträger: Der Joghurt als Beispiel
Besonders beeindruckend ist Meikes Ansatz beim Joghurt.
Ein ganzer Käsekessel mit 600 Litern Milch wird zu Joghurt verarbeitet. Von Hand abgeschöpft. Molke wird teilweise abgetropft. Das Ergebnis ist ein cremiger, sahniger Joghurt, der eher an ein Dessert erinnert.
Hier zeigt sich etwas Entscheidendes:
Handwerk ist schmeckbar.
Und genau diese Geschichten machen Produkte an der Theke erklärbar.
Nicht jeder Kunde versteht sofort, warum ein Joghurt anders schmeckt.
Aber jeder versteht, wenn man erklärt, dass hier noch echte Handarbeit stattfindet.
Schleswig-Holstein: Schafskäse mit klarer Haltung
Von Hunsrück geht es gedanklich in den Norden – zur Friesischen Schafskäserei von Redlef Volquardsen in Tetenbüll.
130 friesische Milchschafe, eigene Käserei, 10 bis 15 Sorten Käse – und eine klare Entscheidung gegen Abhängigkeit.
Was diesen Betrieb besonders macht:
Muttergebundene Aufzucht
Direktvermarktung
Begrenztes Wachstum
Unabhängigkeit von großen Handelsstrukturen
Transparente Kommunikation gegenüber Verbrauchern
Die Lämmer bleiben bei den Müttern. Das bedeutet weniger verfügbare Milch. Das bedeutet höhere Kosten. Und das bedeutet einen höheren Preis für den Käse.
Aber es bedeutet auch: Glaubwürdigkeit.
Gerade dieses Argument ist an der Käsetheke extrem wertvoll. Wenn Kunden fragen, warum ein Schafskäse mehr kostet, ist hier die Antwort klar: Weil Tierwohl Priorität hat.
Regionalität schlägt Siegel
Interessant ist auch Redlefs Einschätzung:
Für viele seiner Kunden ist nicht das Bio-Siegel das Hauptargument, sondern Regionalität und Echtheit.
Das ist eine wichtige Erkenntnis für uns im Verkauf.
Nicht jedes Siegel verkauft automatisch.
Aber jede authentische Geschichte schafft Vertrauen.
Menschen suchen Orientierung. Sie möchten wissen, woher das Produkt kommt. Sie möchten das Gefühl haben, dass hinter dem Käse ein echtes Konzept steht – und keine austauschbare Produktion.
Wachstum um jeden Preis? Nein.
Beide Betriebe verbindet eine klare Haltung:
Wachstum ist kein Selbstzweck.
Ob Demeter-Hof im Hunsrück oder Schafskäserei im Norden – beide könnten größer werden. Beide entscheiden sich bewusst dagegen.
Warum?
Weil größere Strukturen oft neue Abhängigkeiten bedeuten.
Weil Qualität Zeit braucht.
Weil Persönlichkeit verloren gehen kann.
Und genau das ist ein starkes Argument an der Theke.
Begrenzte Verfügbarkeit ist kein Mangel – sie ist ein Qualitätsmerkmal.
Was bedeutet das für uns als Thekenkräfte?
Diese Folge macht eines deutlich:
Wir verkaufen keine Produkte.
Wir vermitteln Zusammenhänge.
Wir sind die Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Verbraucher.
Wir erklären Kreisläufe.
Wir erklären Tierwohl.
Wir erklären Handwerk.
Und genau das macht unseren Beruf so wertvoll.
Kreativität sichtbar machen
Wer solche Geschichten erzählt, wer Herkunft erlebbar macht und wer seine Theke mit Leidenschaft führt, sollte das zeigen.
Die Fachzeitschrift Käsetheke kürt auch dieses Jahr wieder Deutschlands kreativste Käsetheken.
Der Kreativ Award ist eine Bühne für das, was oft im Alltag untergeht:
Engagement, Ideenreichtum und Fachkompetenz.
Fazit: Haltung verkauft
Die Gespräche auf der Grünen Woche zeigen:
Preis entsteht aus Verantwortung.
Vertrauen entsteht aus Transparenz.
Und Geschmack entsteht aus Handwerk.
Demeter mit Hörnern.
Schafe mit Mutterbindung.
Unabhängigkeit statt Massenproduktion.
Diese Geschichten sind keine Randnotizen –
sie sind unser stärkstes Verkaufsargument.
🎧 Die komplette Folge von CheeseCommerce – Verkaufsstrategien für Thekenprofis findest du überall, wo es Podcasts gibt.
Und jetzt:
Nimm diese Geschichten mit an deine Theke. 🧀